Torsten war ein sehr lebensfroher Mensch, der viel und gerne lachte. Doch in seinem letzten Jahr hier auf Erden war das anders.  Ständig war er stark verschleimt und immer öfter war er krank und konnte so auch nicht mehr regelmäßig in seine Tagesstätte gehen...
Er war viel mehr in sich gekehrt  und es war auffallend, dass er gar nicht mehr so lacht wie früher - immer seltener war sein lauthalses Lachen zu hören....

Bild: Walter Habdank, "In manibus tuis", Holzschnitt 1972

Ich habe ihn damals gefunden, wie er tot in seinem Bett lag.
Eigentlich sah er aus, als ob er schlafen würde - ganz friedlich lag er da - so, dass ich eigentlich gar nicht hätte merken müssen, dass er tot ist - doch sein starkes Schnaufen, das war es, was ich nicht mehr hörte....

Ich habe dann sofort Papa auf der Arbeit angerufen und gesagt: "Papa, der Torsten ist gestorben!" - Mama war zu dieser Zeit mit ihrer Gymnastikgruppe am Gardasee! Aber es ist Wahnsinn, was sie in der Zeit, in der Torsten wohl starb (die genaue Uhrzeit wissen wir ja nicht - irgendwann am Vormittag), erlebte:
Sie war auf einem wunderschönen italienischen Friedhof, der auf einem Berg liegt und von wo aus man auf den Gardasee blicken kann. Die Sonne schien aus Leibeskräften und blitzelte auf dem Wasser - es muss ein herrlicher Anblick gewesen sein...
... und ja, sie dachte in diesem Moment an liebe verstorbene Menschen!! - Von Torstens Tod erfuhr sie schließlich erst am Abend, als sie wieder im Hotel war...

Torsten ist gegangen, als niemand da war!! - Eigentlich hätte ich an diesem Tag schon gegen halb zwölf daheim sein können, doch ich bin erst noch in die Bibliothek gegangen und anschließend habe ich noch Lebensmitteleinkäufe erledigt und bin so erst um 13.00 nach Hause gekommen.
Ich mache mir keine Vorwürfe deshalb, weil ich nicht 'frühzeitig' nach Hause gekommen bin. Es sind vielmehr eben Gedanken - was wäre gewesen, wenn ich schon um halb zwölf nach Hause gekommen wäre? - Wäre es anders gekommen?
Torsten sah ja ganz friedlich aus, als ich ihn fand - der Tod kam wohl ganz plötzlich über ihn - wahrscheinlich hätte man eh nichts tun können. Ja, natürlich mache ich mir auch Gedanken darüber, dass Torsten ganz alleine sterben musste - aber vielleicht 'konnte' er nur so gehen und seinen Frieden finden....

Sandra und ich haben ihm, bevor die Bestatter kamen, noch seine Kleider zusammengerichtet - einen kuscheligen Pullover, eine dicke Hose und warme Socken.

Niemals werde ich vergessen, wie die Bestatter Torsten abgeholt haben und er in diesem schwarzen Sack verschwand, der doch viel zu groß für ihn war!!
Ich bin froh, dass wir ihn Tage später, als dann auch die Mama wieder da war, noch einmal in der Friedhofskapelle besucht haben - er sah so friedlich aus, so befreit!!

Torsten wurde in einem Kindersarg in hellem Holz beerdigt - dieser war ihm dann auch nicht zu groß!!
Zu seiner Beerdigung kamen viele Menschen - viel mehr, als ich jemals erwartet hätte.

 

Der Tod ist die Grenze des Lebens,
aber nicht der Liebe.

 

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